Vom Spieler zum Schiedsrichter

Andre_Horst_2014

Erst Spieler, dann Trainer oder Funktionär – diese Abfolge scheint im Fußball, egal ob im Profi- oder Amateurbereich, die Regel zu sein. Für die nicht weniger herausfordernde Aufgabe des Schiedsrichters dagegen entscheiden sich im „hohen Fußballalter“ nur wenige Aktive.

Genau diesen Weg ist André Horst aus Hülchrath gegangen. Der 39jährige Schiedsrichter hat mit sechs Jahren das Fußballspielen begonnen, für die SG Neukirchen/Hülchrath in den Kreisligen A und B um Punkte gespielt – und fühlte sich mit 31 Jahren, als der Wechsel zu den Alten Herren anstand, noch zu fit, um ausschließlich dort zu spielen. „Ich bin schon immer gerne auf dem Platz gelaufen, da wäre ich bei den Alten Herren durch ein hohes Laufpensum aufgefallen“, gibt Horst schmunzelnd zu Protokoll. Sein Weg zur Schiedsrichterei ist aber eher pragmatisch erklärt. „Irgendwann wurde mir die Pendelei zum Training zwischen Meerbusch, wo ich damals wohnte, und Hülchrath zu viel. Den Club wechseln wollte ich aber auch nicht mehr“, führt der heimatverbundene Horst weiter aus.

Auf die Idee, seine Fitness mit der Schiedsrichtertätigkeit weiter zu behalten, ist er eher zufällig gekommen. Als beim Auswärtsspiel seiner 2. Mannschaft in Jüchen kein Spielleiter erschien, wurde er gefragt, ob er pfeifen will. Das war im April 2004, und zögerlich willigte er ein. „Es hat alles sehr gut geklappt, dazu ein sehr faires Spiel – besser kann man nicht beginnen“, erinnert sich Horst. Am folgenden Wochenende dasselbe Spiel, nur diesmal war mit dem SV Rosellen ein Team anwesend, das noch aufsteigen konnte. Auch hier gab es keine Probleme. „Und ganz ohne Grundkenntnisse der Schiedsrichterei“, betont Horst. In beiden Spielen kam ihm die Idee, den Schiedsrichterschein zu machen. „Dass diese Aufgabe laufintensiv ist, kam mir entgegen, so konnte ich fit bleiben.“ So hing er in der Folgesaison ein Jahr in der 1. Mannschaft dran, machte den Schiedsrichterschein und leitete samstags Jugendspiele. Nur sah er sich auf dem Platz weiter als Spieler, „und das hat mir ungemein geholfen. Ich konnte durch meine Erfahrung als Aktiver bestimmte Situationen anders einschätzen, auch mal Karten stecken lassen.“

So setzte er den Fokus fortan auf die Schiedsrichterei – und wurde gleich in der Bezirksliga eingesetzt, eine Spielklasse, in der er selber nie gespielt hat. TSV Kaldenkirchen gegen Fortuna Dilkrath war sein Premierenspiel. „Bei den vielen Schlitzohren, die immer mal bei Ecken geschrieen haben – da kam ich schon ins Grübeln, ob ich wirklich alles sehe“, blickt Horst zurück. Besonnen ging er in seine weiteren Ansetzungen, ohne nervös zu werden. „Ich habe gemerkt, dass die Spieler gerne mal versuchen, den Schiedsrichter reinzulegen, aber wenn man sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, wird man selber sicherer, und die Spieler auf dem Feld honorieren das. Auch der andere, praktische Blick auf Zweikämpfe ist sehr hilfreich“, weiß Horst zu berichten. „Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen, da die schnell spüren, dass man von der praktischen Seite kommt, den Ton und die Geflogenheiten kennt. Da ist alles nicht so dramatisch gemeint“, lacht Horst.

Heute spielt er immer noch bei den Altherren der SG Neukirchen/Hülchrath. Sein Weg als Schiedsrichter hat ihn mittlerweile in die Landesliga geführt, wo er als souveräner Spielleiter über die Grenzen des Kreises hinweg geschätzt wird. „Warum soll ich ein Einzelfall bleiben? Gerade Fußballer jenseits der 30, vielleicht auch ehemalige Spielführer, bringen Fitness und Persönlichkeit mit, es als Schiedsrichter weit zu bringen“, ist Horst sich sicher. „So kann man seine Fitness weiter aufrecht erhalten, sonntags weiter mitmischen und diesen tollen Sport hautnah erleben. Man muss sich nur überwinden.“

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.